Liebe Genossinnen und Genossen,
das neue Jahr ist schon wieder zügig vorangeschritten und nun stand die erste Kreistagssitzung in 2025 an. Nach der deutlich verlorenen Bundestagswahl rückt für uns dabei auch schon wieder die nächste zentrale Wahl für unsere Heimat, für unseren Landkreis Barnim in den Mittelpunkt.
Am 01. März haben wir unseren Landrat Daniel Kurth mit einem richtig starken Ergebnis von ca. 96 % auch als unseren SPD-Kandidaten für die Landratswahl im Frühjahr 2026 aufgestellt. Dieser Rückenwind und die Geschlossenheit sind in diesen Zeiten auch gerade dringend notwendig. Denn im Kreistag erleben wir mittlerweile regelmäßig, wie ganz klar Mehrheiten aus CDU, AfD und auch Freien Wählern zustande kommen – und das definitiv nicht mehr nur zufällig. Und ihre Stärke nutzen Sie, um auch klar unsere liberale und vielfältige Gesellschaft und Ihre Projekte anzugreifen – zuletzt etwa durch eine Streichung von Fördermitteln im Kreisausschuss für unseren CSD und die queeren Wochen in unserem Landkreis. Wer hier noch per Spende unterstützen will (danke an unsere Jusos Barnim für die Initiative!) kann das unter folgendem Link tun: Bürgerstiftung-Barnim-Uckermark
Das ist nur eines von vielen Beispielen, warum wir die nächsten Monate nutzen müssen, um für unseren Landratskandidaten Daniel Kurth mit aller Kraft zu werben. Denn das, was die Konservativen und Rechtsextremen derzeit machen, zeigt ganz deutlich: Es macht einen Unterschied, welche Partei den Landrat stellt! Und welche Person dieses Amt ausfüllt. Daniel hat einen klaren Kompass und die notwendige Erfahrung, diesen Job gutzumachen. Wir sind mit unserem Kandidaten nun auf dem Platz und werben um breite Unterstützung und politische sowie gesellschaftliche Bündnispartner. Lasst uns dies gemeinsam tun!
Den anstehenden Landratswahlkampf spürt man auch Stück für Stück in den Sitzungen des Kreistag Barnim. Insofern war auch die letzte Kreistagssitzung von manch populistischen Themen und Wahlkampfreden geprägt. Für uns als SPD-Kreistagsfraktion ist dabei klar: Wir halten dagegen, machen unsere SPD-Positionen sehr deutlich und bleiben zugleich weiter an der Sacharbeit für unseren Landkreis dran.
Zentrale Themen der Kreistagssitzung vom 12. März:
• Taxitarifverordnung
Das Thema einer neuen Taxitarifverordnung in unserem Landkreis beschäftigt uns schon länger. Auf Basis eines externen Gutachtens sollten die Taxigebühren für den Barnim erhöht werden. Dieser Vorschlag hat eine Kontroverse bei den Taxiunternehmen in unserem Landkreis ausgelöst. Dabei spürt man ein klares Gefälle zwischen dem Nord-Barnim und dem Süd-Barnim. Denn gerade in Bernau und Umgebung gibt es harte Konkurrenz von privaten Berliner Taxianbietern wie Uber oder Bolt. Im Nord-Barnim gibt es diese dagegen nicht und die Taxiunternehmen wären für die Erhöhung dankbar gewesen. Eine Unterscheidung des Barnims in zwei Tarifzonen würde aber neue Bürokratie und eine Konkurrenz zwischen den Zonen mit sich bringen. Insofern gibt es keine naheliegende, einfache Lösung. Im Kreistag wurde die Erhöhung zunächst abgelehnt – eine nachhaltige Lösung bleibt damit aber ausstehend.
• Errichtung Gymnasium in Ahrensfelde, neue Abteilung am Oberstufenzentrum II in Eberswalde und Änderung Gebührensatzung Kreisvolkshochschule
In der letzten Kreistagssitzung haben wir drei kleine, aber wichtige Beschlüsse für unsere Barnimer Bildungslandschaft gefasst, die ohne große Diskussion mit breiter Mehrheit angenommen wurden. Der erste Beschluss ist die Errichtung eines Gymnasiums in Ahrensfelde zum Schuljahr 2026/2027 – eine notwendige Entlastung bei hohen Schülerzahlen im Süden unseres Landkreises. Mit der Schaffung einer vierten Abteilung am OSZ II in Eberswalde sorgen wir zudem für eine klarere Struktur in der beruflichen Bildung. Und mit der Anpassung der Gebührensatzung unserer Kreisvolkshochschule gibt es eine Klarstellung, dass Kosten für einen Kurs etwa der Grundbildung, der Alphabetisierung oder des zweiten Bildungsweges nur durch den Landkreis übernommen werden, wenn Lernwille da ist und Leistung erbracht wird. Ebenfalls eine sinnvolle Anpassung.
• Neufassung Richtlinie Kreisentwicklungsbudget & Beschluss des Radverkehrskonzepts des Landkreis Barnim
Als SPD-Kreistagsfraktion waren wir im letzten Kreistag mit zwei Änderungsanträgen dabei, die unser Kreistagsabgeordneter Torsten Jeran dankenswerterweise für uns erarbeitet und eingebracht hat. Punkt eins war die Anpassung der Richtlinie des Kreisentwicklungsbudget insofern, dass Projekte im Bereich der Wärmeplanung und der Energieplanung im gesamten Barnim gefördert werden können – nicht nur in den ländlichen Regionen. Da in beiden Bereichen der gesamte Landkreis vor großen Herausforderungen in den kommenden Jahren steht, ist dies eine sinnvolle Anpassung, um möglichst viele Investitionen zu ermöglichen. Beim Radverkehrskonzept haben wir die Änderung eingebracht, dass auch die Frage von Sanierung und Erhaltung von bestehenden Radwegen berücksichtigt werden muss. Hier soll die Kreisverwaltung klären, inwiefern die Sanierung und Instandhaltung aktiv eingeplant werden kann. Denn reiner Neubau von Radwegen bringt ja nichts, wenn bestehende Radwege nicht auch in gutem Zustand erhalten werden. Beide Anträge wurden durch den Kreistag mit sehr großer Mehrheit angenommen.
• Etablierung einer Nachmittagsbetreuung der Kinder an den Förderschulen mit sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“
Die Frage einer Nachmittagsbetreuung für die Kinder an den Barnimer Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ beschäftigt die Kreispolitik und die Kreisverwaltung schon länger. Auf Antrag der Linken und mit breiter Unterstützung des Kreistages ist jetzt bei dieser Frage verstärkt Bewegung hereingekommen. Erste Modellvorhaben sollen umfassend umgesetzt werden und so zeitnah eine belastbare und nachhaltige Nachmittagsbetreuung ermöglicht werden. Gut so!
• Positionierung zum geplanten Naturschutzgroßprojekt mit Wiedervernässung im „Niederoderbruch“
Moore und Wiedervernässungsprojekte sind wichtig für praktischen Klima- und Naturschutz. Solche Projekte funktionieren aber nur gut, wenn man die Bevölkerung und die Landbesitzer vor Ort mitnimmt und Kompromisse schließt. Der mittlerweile ehemalige zuständige Landesminister der Grünen Axel Vogel ist diesen Weg hier genau falsch gegangen. Ohne große Kommunikation und Verständigung hat er die Menschen vor Ort mit der Wiedervernässung des Niederoderbruchs völlig überrumpelt und damit sehr große Verunsicherung und Unmut geschaffen. Gut, dass unsere neue Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt diesen Prozess bereits gestoppt hat. Als Kreistag haben wir uns dazu klar positioniert und einen Neuanfang bei dem Projekt mit intensiver und frühzeitiger Debatte mit den Menschen vor Ort zu einer möglichen Wiedervernässung gefordert. Nur so kann es zu einem tragfähigen Ergebnis kommen.
• CDU & AfD-Antrag zur Arbeitspflicht
CDU und AfD haben im letzten Kreistag jeweils einen Antrag für eine Arbeitspflicht von Geflüchteten und Arbeitslosen im Landkreis Barnim eingebracht. Auch wenn eine solche Idee durchaus auf den ersten Blick auch Sinn ergibt, haben wir als SPD klar gesagt, dass es keine Lösungen für das Schaufenster braucht, sondern nachhaltige Konzepte. Denn Fakt ist: Alle Kommunen, die in Deutschland ähnliche Projekte angeschoben haben, konnten keine großen Erfolge verbuchen. Denn eine mögliche Arbeitspflicht schafft vor allem erstmal hohe Bürokratie, Aufwand für die Verwaltung und muss dann auch Versicherungsfragen und weitere Kosten berücksichtigen. Zudem sorgt eine solche Pflicht nicht für eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt, sondern maximal für kurzfristige symbolische Ergebnisse. Als SPD-Fraktion im Kreistag Barnim sind wir dabei sehr deutlich: Es braucht dringend eine bessere Integration in Arbeit und wir müssen möglichst viele Menschen in Arbeit bringen – egal ob Geflüchtete oder deutsche Arbeitslose. Die Jobs müssen aber langfristig funktionieren und ordentlich sozialversicherungspflichtig bezahlt werden. Den Antrag der CDU haben wir deshalb abgelehnt. Bezeichnend war bei dieser Abstimmung einmal mehr, dass der CDU-Antrag dann aber mit Stimmen von AfD und CDU bei Enthaltung der Freien Wähler eine Mehrheit gefunden hat. Die AfD war damit sogar so zufrieden, dass sie im Anschluss sogar ihren eigenen Antrag zurückgezogen hat…
• Appell an das Land: „Pflege vor Ort“ verstetigen
Der Pakt für Pflege und das Programm „Pflege vor Ort“ des Landes Brandenburg ist ein echtes Erfolgsprojekt! Vor Ort werden damit tolle Pflege-Projekte finanziert und beispielsweise wichtige Beratung zu allen Fragen rund um die Pflege etwa für Angehörige ermöglicht. In einem gemeinsamen Antrag mit der CDU haben wir deshalb im Angesicht der aktuellen Haushaltsberatungen auf Landesebene die Landesregierung aufgefordert, diese wichtigen Programme zu stärken und zu verstetigen. Der Antrag wurde mit breiter Mehrheit angenommen.
Zum Abschluss in eigener Sache: Wechsel in der Kreistagsfraktion.
Politik funktioniert nur als Teamleistung. Deshalb habe ich frühzeitig erklärt, dass ich gerne bereit bin, auch sinnvoll wieder Aufgaben abzugeben, wenn ich den Landtag gewählt werden sollte. Denn für jede und jeden hat der Tag nur 24 Stunden Zeit und man muss schauen, dass man all seine Mandate auch bestmöglich und verantwortungsbewusst ausfüllen kann. Mit meiner Arbeit als Sprecher für Europapolitik sowie für die Tourismuswirtschaft der SPD-Fraktion im Brandenburger Landtag sowie mit meiner großen Aufgabe als Generalsekretär meiner SPD Brandenburg bin ich landespolitisch sehr eingespannt. Deswegen war es für mich nur folgerichtig, dass es auch eine Weitergabe von Verantwortlichkeiten geben muss.
Gerne mache ich deshalb im Kreistag den Weg frei und gebe zu Ende März mein Kreistagsmandat mit Andrea Heimberg-Horn an eine tolle Sozialdemokratin und engagierte Barnimerin weiter. Damit ermöglichen wir eine gute Aufstellung der SPD Barnim in unserer Kreispolitik. Mit Andrea gewinnen wir eine wunderbare neue Kreistagsabgeordnete. An diesem Wochenende hat sich deshalb auch unsere Kreistagsfraktion insgesamt neu aufgestellt. Den Fraktionsvorsitz übernimmt Lars Stepniak-Bockelmann von mir und wird zukünftig als erfahrener Kommunalpolitiker unsere Kreistagsfraktion leiten. Ich bin mir sicher, dass er dieses Amt stark und überzeugend ausfüllen wird. Andrea übernimmt dafür dann von Lars den Sitz im Ausschuss für Haushalt und Finanzen.
Den nächsten Newsletter bekommt ihr dann entsprechend von der neu aufgestellten Fraktion zugeschickt. Mir war es eine große Ehre und Freude, für unseren Landkreis in den letzten neun Monaten im Kreistag arbeiten zu dürfen und dabei zugleich unsere Fraktion führen zu dürfen. Wir sehen uns weiterhin in meiner Rolle als Vorsitzender der SPD Barnim und auch der Kommunalpolitik bleibe ich als Stadtverordneter in Eberswalde erhalten.
Mit solidarischen Grüßen
Kurt Fischer
Vorsitzender SPD-Kreistagsfraktion Barnim